32 dokumentierte Fälle
Vollständige Übersicht aller in der moirée-Datenbank veröffentlichten, anonymisierten Fallstudien zu Diskriminierung von Frauen und nicht-binären Personen in der europäischen Kreativwirtschaft. Aktiviere JavaScript für Filter, Volltextsuche und Sprachumschaltung.
„Ich arbeite als Tontechnikerin in einem Studio. Mein Kollege verdient deutlich mehr, obwohl wir dieselben Aufgaben und Erfahrungen haben.“
Kärnten, Österreich · Audio · Berufserfahren (5–10 Jahre) · 2017–2019
„Ich arbeite am Filmset als Assistentin. Ein Kollege macht ständig anzügliche Kommentare und kommt mir zu nah. Nicht nur mir, auch anderen Kolleginnen. Als ich mich bei ihm darüber beschwere, heißt es nur, ich solle "lockerer sein" und mich nicht so anstellen, es wäre ja immer hin nur Spaß und nicht Ernst gemeint.“
Berlin, Deutschland · Film · Berufseinstieg (≤5 Jahre) · 2024
„Ich habe mich vor Kurzem auf eine Stelle im Audiobereich beworben und wurde zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen. Der Ablauf war zunächst professionell und konzentrierte sich auf meine Qualifikationen sowie meine bisherigen Erfahrungen. Im weiteren Verlauf des Gesprächs wurde mir jedoch eine Frage gestellt, die keinen direkten Bezug zur ausgeschriebenen Position hatte: Ich wurde gefragt, ob ich Kinder möchte. Diese Frage hat mich irritiert, da sie meine persönliche Lebensplanung betrifft und aus meiner Sicht nicht relevant für die Beurteilung meiner fachlichen Eignung ist. In der Situation war ich unsicher, wie ich darauf reagieren soll, da ich mich weiterhin im Bewerbungsprozess befand. Die Frage hat bei mir den Eindruck hinterlassen, dass solche persönlichen Aspekte in die Bewertung einfließen könnten. Unabhängig von der Intention halte ich solche Fragen für problematisch, da sie potenziell diskriminierend wirken und Bewerber:innen in eine unangenehme Lage bringen. Ich teile diese Erfahrung, um auf solche Situationen aufmerksam zu machen und zu einer faireren, respektvollen und professionellen Gesprächskultur beizutragen.“
Steiermark, Österreich · Audio · Studium / Ausbildung · 2026
„Ich arbeite in einem Animationsstudio und koordiniere häufig Teams, löse Konflikte und unterstütze Kolleg*innen. Diese Arbeit gehört nicht offiziell zu meiner Rolle, wird aber vorausgesetzt. Bei Bewertungen oder Beförderungen wird sie nicht berücksichtigt, obwohl sie für das Team wichtig ist.“
Basel-Landschaft, Schweiz · Motion & Animation · Berufseinstieg (≤5 Jahre) · 2022
„Auf einem Networking Event habe ich mit einem potentiellen Kunden Kontaktdaten ausgetauscht, da dieser meinte, er hätte ein paar Projekte, für die er mich gerne buchen würde. Nach ein paar Tagen kamen anzüglich Fragen, unter anderem was für Unterwäsche man trägt oder welche Sexstellungen man bevorzugt. Auf meine Nachfrage, was diese Fragen sollten hieß es, er sei einfach locker was so Themen angeht und würde sich dafür interessieren und ich solle nicht so spießig sein.“
Steiermark, Österreich · Audio · Berufseinstieg (≤5 Jahre) · 2025
„Ich wurde von einem Künstler immer wieder wegen technischen Problemen, auf die ich keinen Einfluss hatte, erniedrigt, beleidigt und angebrüllt. Sogar meinen männlichen Kollegen war aufgefallen, dass der Künstler mit mir viel respektloser umging als mit ihnen. Gegen Ende der Produktion wusste es ein großer Teil des Technik-Teams, aber es wurde nicht wirklich was dagegen unternommen.“
Salzburg, Österreich · Audio · Berufseinstieg (≤5 Jahre) · 2023
„Ich wurde regelmäßig von einem Kunden für Projekte gebucht, die so 14h Tage hatten, durfte im Gegensatz zu den männlichen Kollegen nur 5h pro Arbeitstag verrechnen. Als Argument vom Kunden wurde genannt, ich wäre noch sehr jung und kann bei dem Job ja noch was lernen. Die männlichen Kollegen wussten nicht dass ich nicht die volle Arbeitszeit verrechnen durfte. Auch an Feiertagen, an denen dort eigentlich die doppelte Gage üblich ist, durfte ich ohne genaue Argumentation nur die einfache Gage verrechnen.“
Wien, Österreich · Audio · Berufseinstieg (≤5 Jahre) · 2022
„Ein Kollege hat wegen Stress bei der Veranstaltung seine schlechte Laune an uns ausgelassen. Auf die Frage, ob man ihm bei etwas helfen kann hieß es, ich solle ihn doch bitte se*uell beglücken, denn das würde seine Laune verbessern.“
Wien, Österreich · Event · Berufseinstieg (≤5 Jahre) · 2023
„Ich war 26, als ich anfing. Frisch von der Hochschule. Ich war stolz.
Der Kostümchef ist seit zwanzig Jahren im Haus. Alle mochten ihn. Er war charmant, er machte Witze. Auch über meinen Körper. Ich dachte am Anfang immer: so ist das hier eben...
Beim ersten Produktionstreffen legte er die Hand auf mein Knie. Ich rückte weg. Er schaute nicht mal auf.
Drei Wochen später, Überstunden, alle anderen weg, griff er mir von hinten an die Schulter, dann tiefer. Ich stand auf.
Ich erzählte es einer Kollegin. Die sagte: "Ja, der ist halt so." Einmal bat ich ihn direkt, das zu lassen. Er war einen Moment still. Dann sagte er: "Du weißt, wie das läuft mit den Verlängerungen."
Mein Vertrag wurde zweimal verlängert. Dann nicht mehr. In der Begründung stand: "künstlerische Neuausrichtung."
Ich kenne zwei andere Frauen, denen dasselbe passiert ist. Wir haben nie geklagt. Wir kennen die Szene. Wir wissen, wie klein sie ist. Er ist immer noch dort.“
Niedersachsen, Deutschland · Darstellende Künste · Berufseinstieg (≤5 Jahre) · 2024
„Mein Vorarbeiter in einem staatlichen Unternehmen hatte mich nach einer fachlichen Diskussion als - Zitat „Unnedige (...) Person“ [Anm.: starke Beleidung moderatorisch entschärft] beschimpft. Meine Vorgesetzten (Beleuchtungsmeister) meinten nur, ich soll nicht so „empfindlich“ sein oder „so ist er halt“. Ich habe das Unternehmen nach 4 Monaten verlassen. Es fiel mir ehrlich gesagt überhaupt nicht schwer zu gehen.“
Wien, Österreich · Event · Berufserfahren (5–10 Jahre) · 2022
„Ich mache seit elf Jahren Tontechnik. Ich bin gut, das weiß ich. Irgendwann fragte ich einen Kollegen, was er nimmt. Drei Jahre weniger Erfahrung. Gleicher Kunde, gleiche Aufgabe. Er: 450 Euro pro Studiotag. Ich: 320. Niemand lügt hier. Ich bot 320 an, weil ich dachte, mehr würde ich nicht durchsetzen. Er bot 450, weil er dachte, er sei das wert. Der unbereinigte Gap sieht noch schlechter aus. Ich arbeite weniger Tage im Jahr. Nicht weil ich weniger will. Weil ich seltener angerufen werde. Laut KSK: Musikerinnen in NRW 2022 im Schnitt 11.800 Euro. Männer: 15.900. Das ist keine Pechsträhne. Das ist Struktur. Ich hab aufgehört zu fragen. Es macht mich wütend. Und wütend bucht mich niemand.“
Nordrhein-Westfalen, Deutschland · Audio · Senior (10+ Jahre) · 2026
„In einer Projektkritik im einem Kommunikationsdesign Studiengang äußerte der Dozent zu meiner Arbeit, sie sei mädchenhaft und würde nicht in alle Branchen passen. Er hat mir empfohlen, einen allgemeintauglicheren Stil zu entwickeln, der nicht so poliert ist. Ich habe diese Rückmeldung als problematisch empfunden, da der Begriff mädchenhaft keine fachliche Designkategorie darstellt, sondern eine geschlechtlich konnotierte Zuschreibung ist. Dadurch hatte ich den Eindruck, dass mein Stil nicht auf Basis gestalterischer Kriterien bewertet wurde, sondern entlang von Stereotypen! Die Situation hat mich verunsichert und mein Vertrauen in eine faire Bewertung meiner Arbeit geschädigt...“
Baden-Württemberg, Deutschland · Design · Studium / Ausbildung · 2026
„I worked as a creative coding freelancer on a project in Amsterdam. Even though I was hired for my technical input, I quickly noticed that I was treated differently as the only woman on the team. In meetings, my ideas were often overlooked until repeated by a male colleague, and I was repeatedly asked to handle note-taking, coordination, and other support tasks instead of the core work. Important decisions were made without me, and I was sometimes introduced to clients as someone who could help with organisation rather than as a technical contributor. The extra work I took on was never recognised, while my male colleagues were trusted more easily with main responsibilities. It was not the first time I experienced this kind of treatment, so over time I stopped being surprised by it. That made it easier to keep going on the surface, but it also meant I had already lowered my expectations before the project even ended.“
NL-NH, Niederlande · Creative Coding · Berufseinstieg (≤5 Jahre) · 2026
„I was one of the few women on the team, and from the beginning I was treated more as support than as a technical contributor. I was repeatedly asked to coordinate tasks instead of doing the core work. The extra work I carried was never recognised, while the men around me were trusted my support work as given, even though it was extra work that was not my core competence in this job“
PL-14, Polen · Audio · Berufserfahren (5–10 Jahre) · 2017–2019
„Nach einem Networking-Event kamen regelmäßig Nachrichten eines Vorgesetzten, die nichts mit dem Job zu tun hatten. HR bezeichnete das als Branchenkultur. Ich habe das Unternehmen nach drei Monaten verlassen. Die Person ist weiterhin in der gleichen Rolle.“
Bayern, Deutschland · Audio · Berufseinstieg (≤5 Jahre) · 2023
„Ich war diejenige, die alle Teamkonflikte moderierte, Onboardings organisierte und Protokolle schrieb, unbezahlt und unbemerkt. In meiner Leistungsbewertung stand trotzdem nur meine technische Arbeit. Als ich aufhörte, diese Aufgaben zu übernehmen, wurde mir mangelnde Teamfähigkeit vorgeworfen!“
Wien, Österreich · Games Industry · Berufserfahren (5–10 Jahre) · 2022
„Bei meinem Wechsel in eine Schweizer Firma bot man mir 15 % unter dem branchenüblichen Einstiegsgehalt an. Mit der Begründung, meine österreichische Berufserfahrung sei nicht direkt übertragbar. Männliche Kollegen mit vergleichbarem Hintergrund hatten diese Erfahrung nicht gemacht.“
Bern, Schweiz · Audio · Senior (10+ Jahre) · 2023
„Während eines Drehs kommentierte der Regisseur wiederholt mein Aussehen vor dem gesamten Team. Als ich ihn bat, damit aufzuhören, wurde ich als humorlos bezeichnet. Die Produktionsfirma stellte mich danach nicht mehr ein.“
Steiermark, Österreich · Film · Berufseinstieg (≤5 Jahre) · 2022
„Jedes Mal, wenn ein Journalist über Diversity in der Games-Branche schrieb, wurde ich als Interviewpartnerin vorgeschickt. Bei internen Strategiemeetings war ich hingegen nicht eingeladen. Meine fachliche Arbeit als Level Designerin wurde in keinem einzigen Presseartikel erwähnt.“
Berlin, Deutschland · Games Industry · Berufserfahren (5–10 Jahre) · 2024
„Ich war für die gesamte Dokumentation unserer Audio-Plugins zuständig, zusätzlich zu meiner eigentlichen Arbeit als Entwicklerin. Keiner meiner männlichen Kollegen wurde je gebeten, Dokumentation zu schreiben. Als ich das ansprach, hieß es, ich könne das einfach besser erklären.“
Nordrhein-Westfalen, Deutschland · Audio · Berufserfahren (5–10 Jahre) · 2023
„In meinem Vorstellungsgespräch fragte man mich, ob ich auch wirklich zocke und welche Spiele ich kenne. Keiner meiner männlichen Kollegen wurde das je gefragt. Im Team wurde ich dann zunächst nur mit QA-Aufgaben betraut, obwohl ich als Game Designerin eingestellt war.“
Zürich, Schweiz · Games Industry · Berufseinstieg (≤5 Jahre) · 2022
„Für denselben Drehtag als Tonmeisterin erhielt ich 200 € weniger als mein männlicher Vorgänger. Die Produktionsfirma begründete es mit einem knapperen Budget, verwendete aber dieselbe Budgetvorlage wie im Vorjahr. Ich erfuhr die Differenz durch eine befreundete Kollegin in der Buchhaltung...“
Bayern, Deutschland · Film · Fachexpertise / Spezialisierung · 2024
„Ich organisierte jedes Teamessen, jede Geburtstagsfeier, jede Abschiedsrunde — ohne dass es je in einer Leistungsbewertung erwähnt wurde. Als neue Kolleginnen kamen, wurde automatisch erwartet, dass ich sie einarbeitete. Die emotionale Arbeit im Team war komplett unsichtbar.“
Wien, Österreich · Film · Senior (10+ Jahre) · 2021
„In einem internen Slack-Channel teilten Kollegen regelmäßig sexistische Memes und Kommentare über Kolleginnen. Als ich das bei HR meldete, wurde der Channel gelöscht, aber niemand wurde zur Rechenschaft gezogen. Mir wurde geraten, das nicht persönlich zu nehmen.“
Hessen, Deutschland · Games Industry · Berufserfahren (5–10 Jahre) · 2020
„Mein Foto wurde prominent auf der Firmenwebsite und in Investoren-Pitches platziert. Zum wöchentlichen Führungsteam-Meeting war ich als einzige Senior-Mitarbeiterin aber nie eingeladen. Als ich danach fragte, hieß es, das Meeting sei eher informell und nicht relevant für meine Rolle.“
Berlin, Deutschland · Audio · Senior (10+ Jahre) · 2023
„In meiner gesamten Region gibt es kein einziges Branchennetzwerk für Postproduktion, in dem Frauen in Führungspositionen vertreten sind. Die informellen Stammtische, auf denen Aufträge vergeben werden, finden in "Herren"runden statt. Das gesamte System ist so aufgebaut, dass Frauen strukturell ausgeschlossen bleiben. Nach zehn Jahren in der Branche habe ich keinen Zugang zu den Netzwerken, die über Karrieren entscheiden...“
Berlin, Deutschland · Film · Senior (10+ Jahre) · 2024
„Ich programmierte die gesamte Projektdokumentation, Tutorials und Workshop-Materialien für unser Creative-Coding-Studio — zusätzlich zu meiner regulären Arbeit. Mein Name stand auf keiner der Veröffentlichungen. Als ich das ansprach, hieß es, das sei Teil der Teamarbeit. Die Tutorials wurden auf Konferenzen unter dem Namen meines Vorgesetzten präsentiert.“
Sachsen, Deutschland · Creative Coding · Berufserfahren (5–10 Jahre) · 2024
„Während einer VR-Demo vor Kunden machte mein Teamleiter wiederholt unangemessene Kommentare über meinen Avatar und mein Aussehen. Als ich das nach der Präsentation ansprach, wurde mir gesagt, das sei nur Humor gewesen. Zwei Kolleginnen, die ebenfalls anwesend waren, bestätigten meine Wahrnehmung — aber keine wollte eine formelle Beschwerde einreichen.“
Basel-Stadt, Schweiz · XR · Berufseinstieg (≤5 Jahre) · 2024
„Neben meiner eigentlichen Arbeit als Motion Designerin übernahm ich die gesamte Kundenkommunikation, Briefing-Dokumentation und Feedbackrunden-Moderation. In meiner Leistungsbewertung wurde nur die Anzahl fertiggestellter Animationen gezählt. Meine Kollegen lieferten mehr Projekte ab, weil sie keine dieser Aufgaben übernahmen.“
Luzern, Schweiz · Motion & Animation · Berufserfahren (5–10 Jahre) · 2024
„Als Freelance Motion Designerin erhielt ich für eine Broadcast-Animation einen Tagessatz von 450 Euro. Durch eine befreundete Producerin erfuhr ich, dass mein männlicher Vorgänger für exakt denselbe Projekt 650 Euro pro Tag erhalten hatte. Die Agentur begründete es mit unterschiedlichen Verhandlungen.“
Niedersachsen, Deutschland · Motion & Animation · Fachexpertise / Spezialisierung · 2025
„Als Junior-Editorin am Filmset wurde ich regelmäßig mit Kosenamen wie Mäuschen und Süße angesprochen — auch vor Kunden. Als ich bat, mit meinem Namen angesprochen zu werden, wurde mir vorgeworfen, keinen Teamgeist zu haben. Der Regisseur sagte, er meine das doch nett. Keine der anwesenden Kolleginnen traute sich, etwas zu sagen.“
Sachsen, Deutschland · Film · Berufseinstieg (≤5 Jahre) · 2024
„Als Freelance-Entwicklerin in der regionalen Games-Szene habe ich erfahren, dass die wichtigsten Aufträge auf einem monatlichen Stammtisch vergeben wurden, zu dem ausschließlich männliche Entwickler eingeladen waren! Als ich mich selbst einlud, wurde die Runde als privates Treffen bezeichnet. Die dort besprochenen Projekte tauchten Wochen später als offizielle Ausschreibungen auf... Mit bereits feststehenden Favoriten...“
Oberösterreich, Österreich · Games Industry · Fachexpertise / Spezialisierung · 2024